Sudanesen stellen ihr Land vor

Besuch der Sudan-Ausstellung (3)Bei dem letzten Kaffee-Treffen am Dienstag wurden die anwesenden Sudanesen zum gemeinsamen Besuch der Ausstellung zum Thema: „Menschenrechte im Sudan“ von einem Mitglied der Planungsgruppe eingeladen. Zu siebt fuhr gestern Nachmittag  diese Gruppe wie verabredet  mit der Straßenbahn zum Pavillon. Seit letztem Sonnabend zeigen die Sudanesen vom Protest-Camp des Weiße-Kreuz-Platzes eine kleine Ausstellung mit Fotos und Texten über die Situation in ihrem eigenen Land. Die Bilder zeigen eindrucksvoll die Lebensbedingungen unter der Diktatur des Präsidenten: Umar Hasan Ahmad al-Baschir, der seit 1993 brutal über das Land herrscht. Gegen al-Baschir (und damit erstmals gegen einen amtierenden Staatschef) hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag Haftbefehl wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im Darfur-Konflikt erlassen.
Diese schwierige Situation im Sudan ist „unseren“ Flüchtlingen selbstverständlich bekannt. Für sie war es interessant, dass ihr Gastland in Hannover den Ausstellungsmachern eine Möglichkeit bot, diesen Sachverhalt öffentlich darzustellen. Teilweise kannten sich die Sudanesen persönlich schon länger, teilweise aber auch gar nicht. Als Deutscher konnte man (meist in Englisch) weitere Einzelheiten erfragen, so z. B. auch über die Statusfrage der protestierenden Sudanesen vom Weiße-Kreuz-Platz zur Anerkennung des langfristigen Aufenthaltsrechts in Deutschland. Die Sudanesen aus dem Flüchtlingswohnheim gerieten mit ihren Landsleuten über die Lage in ihrem Land und dessen Zukunft (z. B. die bevorstehende Präsidentenwahl und den Boykottaufruf der Opposition) schnell ins Gespräch. Als einer der Flüchtlinge auf ein Foto eines Flüchtlingskamps verwies und sagte, dass dort seine Familie seit Jahren lebt, wurde einem bewusst, wie weit entfernte Probleme persönlicher und greifbarer werden. – Die Ausstellung dauert noch bis zu 21. April 2015
Ein kleiner Nebeneffekt dieses Ausstellungsbesuchs: In der Bücherei im Pavillon gibt es eine Abteilung, die sich an Ausländer richtet und ihnen Sprach- und Wörterbücher und auch einfache Lesetexte zur Ausleihe anbietet. Ein Angebot, das „unsere“ Flüchtlinge gerne angenommen haben.

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